Wie es wohl ist ein Tänzer zu sein

Wir sind gerade wieder auf dem Weg von Pontius zu Pilatus. Wir möchten alle möglichen Dinge klären, die unseren Sohn betreffen könnten. Denn wir haben uns entschieden die Hilfsangebote zu nutzen – die der Schule, die der Kommune und die der Sozialeinrichtungen. Dabei bemerke ich, dass es kaum möglich ist all diese Geschehnisse mit Leichtfüßigkeit zu ertragen weder für uns und noch weniger für K2.

Doch ein Gespräch mit einem Siebenjährigen über seine Selbstwahrnehmung, seine Gefühle und die Welt da draußen ist auch kein einfaches Unterfangen. Daher versuche ich mir seitdem es mit dem dauer improvisierten Tanzen durch sein Leben begonnen hat vorzustellen, wie es ihm geht.

mit dem Kind durch das Leben tanzen
Würde lieber am Lenker sitzen das Kind

Sich vorstellen wie es ihm geht

Er merkt, dass Teile seiner Wohlfühlinseln sich verändern. Das die Erwachsenen Ansprüche stellen, die er nicht verstehen kann. Denn auch aufgrund einer stoischen Grundhaltung möchte er, dass alles in Ordnung ist wie er es erlebt – sich eingerichtet hat. Allzu gern würde ich diesen Ansatz einfach weiterverfolgen und -bedienen. Doch die Systeme um uns herum sind einfach dafür zu komplex und zu erwartungsvoll. Er wird sich reichlich wundern, dass die Sachen wie langsames Buchstaben lernen, sein längeres Orientierungsbedürfnis, seine unausgeprägte körperliche Balance die Erwachsenen alarmieren.

Vermutlich kann der Tänzer dies gar nicht in den Zusammenhang stellen mit seiner steigenden Frustration und der mangelnden Impulskontrolle. (Gerne würde ich weniger technisch klingen, doch das fällt mir derzeit auch schwer). Er wird geliebt. Der Junge kann schnell vergessen und bestimmte Formen des Chaos bedeuten für ihn Sicherheit.

mit dem Kind durch das Leben tanzen
Wir sind die Tanzpartner unserer Kinder.

Er wird geliebt von uns

Gerne würde er viel mehr bestimmen und es vermeiden die Dinge, die ihm schwerfallen zu erlernen. Gleichzeitig merkt wohl auch mein Filius, dass ihn seine Altersgenossen in vielen Dingen abhängen. Dabei kann er so viel. Er assoziiert schnell und frei. Viele kluge Gedanken und Beobachtungen sind in seinem Kopf. Erschreckend wenig weiß ich noch über seine Gedankenwelt, vieles was er mir erzählt verstehe ich, der Vater, nicht ausreichend. Denn gerade in den aufschlussreichen Momenten kommt oft etwas wichtigeres, jemand wichtigeres, z.B. ein Akutproblem bei einer seiner Schwestern hervor und schon ist der Augenblick um.

Wir sind gefragt als Eltern, als Tanzpartner

Er und wir Eltern, ist und sind angefragt. Der kleine Garten seiner Glückseligkeit reicht nicht mehr aus. Denn, da bin ich mir sicher, er ist wie andere und will auch die gleichen Möglichkeiten. Wir müssen ausbauen, erweitern, neue Wege anlegen. Das geht nur mit ihm. Doch wie nimmt man ihn mit. Wir müssten seine Wut noch mehr in Schaffenskraft umwandeln. Er braucht ein stabiles Umfeld. All das ist klar, nur das wie noch nicht.

In dieser erdrückenden Unsicherheit für uns alle, schaue ich ihn an, wir liegen nebeneinander er wirkt zufrieden. Diese Grundlage, das wir, muss uns tragen, bis wir weitere sichere Inseln erkundet haben. Dass wir durch das Leben tanzen ist klar, nur die Schrittfolgen und der Takt müssen erlernt werden. Wünscht uns Kraft!

Konsti